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Muster einer Verweigerung von Christian S.
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Betreff: Anerkennung zum KDV
Sehr geehrte Damen und Herren,
Hiermit beantrage ich die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer nach Artikel 4 Abs. 3 des Grundgesetzes.
Folgende Gründe haben mich zu diesem Schritt bewogen:
Ich wurde von meinen Eltern, sowie auch in der Schule dazu erzogen ein Problem nicht
mit dem Einsatz jeglicher Gewalt zu lösen, sonder einen anderen Weg zu finden.
Sowohl durch meine ethnischen als auch durch meine moralischen Wertvorstellungen kommt
für mich ein Kriegsdienst mit der Waffe nicht in Frage. Ich empfinde eine tiefe Abscheu gegenüber
jeder Art von Gewalt. Ich sehe mich nicht in der Lage einen Menschen absichtlich zu verletzten,
geschweige denn zu töten, auch wenn mein eigenes Leben in Gefahr wäre, denn ich habe eine zu
große Achtung vor dem Leben.
Meine Eltern, die Schule und auch der Konfirmandenunterricht
haben mir verschiedene Religionen aufgezeigt und jede Religion verbietet das Töten anderer Menschen.
"Du sollst nicht töten" und "Liebe deinen Feind, wie dich selbst"; sind Worte,
an die sich ein Christ halten muss.
Durch den Geschichtsunterricht erfuhr ich viel über die vergangenen Kriege und deren Schrecken kennen. Ich sah die Bilder von Opfern der in Japan abgeworfenen Atombomben, von gefallenen und im sterben liegenden Soldaten und ich sah die schrecklichen Bilder aus deutschen Konzentrationslagern. Dadurch lernte ich das Leben als das wertvollstes Gut der Menschen kennen und ich lernte, dass man es nicht für falsche ethnische, sittliche und moralische Vorstellungen oder auch auf Grund von materiellen Dingen opfern sollte.
Jeder Krieg ist moralischer und logischer Unsinn, man nimmt Opfer in Kauf, zerstört Leben, reißt Familien auseinander, vernichtet den Lebensraum und die Psyche vieler Menschen, nur weil man versucht einen Standpunkt mit Gewalt durchzusetzen. Selbst ein Teil dieser Folgen mit verantwortet zu wissen würde für mich nicht tragbar sein.
Nur die Vorstellung ein Menschenleben für eine unsinnige Sache zu opfern und Menschen um ihr Recht auf Leben und auf Menschenwürde gebracht zu haben würde eine nicht wiedergutzumachende Schuld für mich bedeuten. Ich würde mich nicht in der Lage sehen ein Leben mit der Last dieser Schuld auf meinen Schultern zu leben.
Heut zu Tage muss man Konflikte nicht mehr mit Gewalt lösen, es gibt viel dringendere Probleme von denen das Überleben unseres Planeten abhängt, wie zum Beispiel das Klima.
In unserer Zeit muss man Konflikte gewaltfrei lösen. Ein Mann, über den ich viel im Religionsunterricht gelernt habe ist Mohandas Karamchand Gandhi, auch unter dem Namen Mahatma Gandhi bekannt. Er ist in Sachen Konfliktlösungen ein großes Vorbild für mich, denn er führte einen Kampf ohne Gewalt, auch gewaltloser Kampf genannt. Er kämpfte so gegen Unterdrückung, für Menschenrechte und Unabhängigkeit und für eine Verständigung der verschiedenen Religionen. Er hat mich durch sein Verhalten stark geprägt, denn er zeigt, dass man Konflikte ohne den Einsatz von Gewalt lösen kann.
Vor einiger Zeit sah ich im Fernsehen ein Bericht über einen irakischen Jungen, der von einem US-Soldaten angeschossen wurde. Während eines Einsatzes sahen die Männer einen Mann, der anscheinend ein Gewehr in der Hand hatte. Dieser Mann war der Junge, der gerade das Vieh seines Vaters hütete. Dieser Junge hatte einen Hürtenstock in der Hand, die Soldaten hielten dieses Stock jedoch für ein Gewehr und forderten ihn auf sich zu ergeben. Jedoch bekam der Junge Angst und rannte weg. Ein Soldat gab einen Schuß ab, der des Jungen direkt in den Rücken traf, er überlebte schwer verletzt.
Warum ich dies als Begründung anführe ist ganz einfach, man zeigte im weiteren Verlauf mehrere Mitglieder der Einheit, diese wahren mit ihren Nerven am Ende, obwohl sie nicht geschossen hatten. Der Schütze wurde nicht gezeigt, er musste in Behandlung gehen. Obwohl er zum Schutze seines Lebens gehandelt hat glaube ich nicht, dass er den Anblick des angeschossenen Jungen jemals vergessen wird. Auch seine Kameraden werden durch dieses Ereignis ihr Leben lang gezeichnet sein. Hätte man versucht den Irakkonflikt ohne Gewalt zu lösen, wäre diese psychische Belastung nicht aufgetreten.
Ich wüsste nicht, wie mein Leben normal weitergehen könnte, wenn ich in der Situation des Schützen oder auch in der der Kameraden wäre. Darum sehe ich mein Aufgabenfeld eher in der Betreuung von Menschen, die auf fremde Hilfe angewiesen sind.
Mit freundlichen Grüßen
Christian S.
Anhang: Lebenslauf
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